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In aller Stille - Meike Kämper sagt "Servus"

Duisburg (mm) - Wenn Meike Kämper nach dem 22. und finalen Bundesligaspieltag der Saison 2021/22 ihre Torwart-Handschuhe an den Nagel hängt, dann geht damit in Duisburg nach 13 Jahren eine Ära zu Ende, die definitiv ihresgleichen sucht.

Dass das Ganze ohne großen Bahnhof stattfindet, sondern im kleinsten denkbaren Rahmen, ist sehr bedauerlich, denn es wird der Persönlichkeit und Leistung der MSV-Keeperin einerseits nicht gerecht, beschreibt aber andererseits sehr trefflich die Geschichte einer außergewöhnlichen Person, die über mehr als ein Jahrzehnt ein Leitbild des Duisburger Mädchen- und Frauenfußballs darstellte.

Ein Rückblick auf Höhen wie auch Tiefen der letzten 13 Jahre einer Ausnahmekeeperin.

Nur die Ruhe -  Meike Kämpers einzigartiges Talent bestand u.a. darin, in jeder Situation die Ruhe zu bewahrenIn aller Stille - Meike Kämper sagt "Servus"
(Fotos: Mirko Kappes und Martin Meier)

Nach ihren ersten Schritten, die Meike Kämper bei den VfL Sportfreunden 07 Essen in Rüttenscheid tätigte, erblickten die Argusaugen der Duisburger Nachwuchstrainer-Legende Kurt Hauer das Potenzial der damals 14-jährigen und "Kurti" integrierte sie 2008 in den Kader seines C-Juniorinnen-Teams, was bei der Protagonistin zudem mit der Berufung in den Kader des DFB-U15-Nationalteams einherging. Meike war einfach ein Erfolgsgarant und so ließen auch die ersten Titel nicht sonderlich lange auf sich warten.

Mit der Niederrheinauswahl triumphierte sie u.a. 2009 beim DFB-Länderpokal und auch die weitere Laufbahn sollte nicht ohne weitere Siegerpokale verlaufen. Gerade wenn es darauf ankam, spielte Meike ihre Stärke aus, in jeder Situation stets die Ruhe und die Übersicht zu behalten und sich zu 100% auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Mit stoischer Ruhe - Meike führt FCR-B-Juniorinnen zum Pokalsieg
Wie z.B. im Juli 2011, als sich am Haus Lütz im Endspiel um den U17-FVN-Pokal die Mönchengladbacher Borussia und der FCR 2001 Duisburg gegenüberstanden. Meike ließ sich weder von dem ruppig geführten Spiel, noch von der Spannung des sich nach Ende der Verlängerung beim Stand von 1:1 anbahnenden Elfmeterschießens, noch von Kommandos des Trainerteams aus der Ruhe bringen, parierte den entscheidenden Elfmeter und verhalf ihrem Verein - die U15-Juniorinnen des FCR Duisburg waren zuvor in einem ähnlich dramatischen Elfmeter-Schießen mit 5:4 gegen Schönebeck siegreich gewesen - somit zum FVN-Pokal-Double.

Die aufgeführten Eigenschaften bescherten der siegreichen Schlussfrau nicht nur einen Profivertrag für die darauf folgende Spielzeit 2011/12, sondern darüber hinaus im Alter von 17 Jahren und 203 Tagen auch ihr Erstligadebüt, das zudem mit einem 3:1-Erfolg gegen den FC Bayern München überaus erfolgreich verlief.

Nur die Ruhe -  Meike Kämpers einzigartiges Talend bestand u.a. darin, in jeder Situation die Ruhe zu bewahrenDer ganz große Wurf - Meike gewinnt "Goldenen Handschuh" und U20-Weltmeisterschaft
Was auf regionaler Ebene funktionierte, klappte auch auf der großen Bühne bei der U20-WM in Kanada.  Nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen die USA fand sich die Duisburger Keeperin nach dem torreichen 5:5 gegen China vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Brasilien überraschend nur noch auf der Ersatzbank wieder. Für sie stand die jüngere Merle Frohms im Kasten. Während manche Akteurinnen nun angefangen hätte, zu grübeln, besann sich Meike Kämper auf ihre Stärken, kehrte in den WM-Finalrundenbegegnungen gegen Kanada (2:0) und Frankreich (2:1) zurück in die Startelf und hielt zum krönenden Abschluss auch beim 1:0-Finalsieg gegen die "Torfabrik" Nigerias ihren Kasten sauber.

Ergo trat sie den Rückflug nach Deutschland nicht nur mit dem Weltmeisterpokal, sondern auch mit dem Preis für die beste Torhüterin des Turniers - dem "Goldenen Handschuh" - an.

Fußball am Limit - Frauen-Nationalmannschaft und Verletzungspech
Meikes Leistung wurde nach der gewonnenen WM noch im selben Jahr mit einer Berufung in den DFB-Frauen-Kader der damaligen Bundestrainerin Silvia Neid honoriert, was der Duisburger Keeperin weitere wertvolle Erfahrung brachte und sie von da an allmählich zur unbestrittenen Nummer eins zwischen den Pfosten des Zebra-Torgehäuses machte.

Doch es gab auch bei Meike Kämper verletzungsbedingte Rückschläge, die die einmalige Erfolgsstory trübten, bzw eine noch größere, internationale Karriere verhinderten. Nach ihrer Hand-Operation 2013 riss sich die Ausnahmetorhüterin im Herbst 2016 bei der Deutschen Nationalmannschaft während des Trainings das Kreuzband, was zusammen mit dem ebenfalls beschädigten Meniskus zunächst eine knapp anderthalbjährige Auszeit bedeutete, während der Meike das nationale wie auch internationale Geschehen von außen betrachten musste. Die Leidenszeit endete am 03.06.2018, als Meike Kämper nach dem Klassenerhalt am letzten Spieltag der Bundesliga-Partie gegen den FF USV Jena an ihren vertrauten "Arbeitsplatz" zurückkehren durfte und diesen bis zum heutigen Tage gewohnt zuverlässig gehütet hat.

In Meikes Fußstapfen? - Der konsequente Weg von Ena Mahmutovic

Keine Frage, Meike Kämper hinterlässt eine Lücke im Tor der MSV-Frauen, die gefüllt werden möchte und zwar als Sportlerin, Persönlichkeit, Führungsfigur und vorallem als Mensch. Es verdichten sich die Hinweise, dass ihr mit der 17-jährigen Ena Mahmutovic eine Fußballerin folgen könnte, die seit dem zehnten Lebensjahr ein fester Bestandteil des Duisburger Nachwuchsfußballs ist und die aus berufenem Munde das Rüstzeug mitbringt, welches auf dieser Position abverlangt wird:
"Ena weiß gar nicht, wie gut sie eigentlich ist! Sie wird definitv ihren Weg machen"

Diese Worte stammen nicht von irgendjemandem, sie stammen von der Protagonistin Meike Kämper persönlich, mit der Ena Mahmutovic bereits seit anderthalb Jahren Trainingserfahrungen austauschen konnte. Letztgenanntes Torwart-Talent, das ihren ersten Bundesliga-Auftritt mit 16 Jahren und 356 Tagen sogar noch ein paar Tage eher feiern konnte als Meike Kämper, gibt die Lorbeeren allerdings gerne zurück:
"Meike war für mich schon immer mein Vorbild. Ich habe nicht nur fußballerisch viel von ihr gelernt, sondern auch menschlich..."

Wie dem auch sei, der Entwicklungsprozess eines Sportlers auf diesem Leistungsniveau erstreckt sich nicht über Wochen und Monate, sondern über viele Jahre.
Mit dem Talent und der Kontinuität, die Ena Mahmutovic auf ihrem Weg durch sämtliche Juniorinnenjahrgänge der MSV-Frauen an den Tag gelegt hat, sind die Voraussetzungen gegeben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Was bleibt ist, den Hut vor einer Meike Kämper zu ziehen und sich für ihre Leistung, den Einsatz, manchmal auch die Leidensfähigkeit, den Ehrgeiz, die Persönlichkeit, sowie die Momente zu bedanken, die sie dem Duisburger Mädchen- und Frauenfußball in 13 Jahren geschenkt hat.

Vielen Dank und chapeau, Meike!


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