U17: B-Juniorinnen abgestiegen - Zeit für einen Neustart

Duisburg (mm) - Neben den Zweitliga-Herren, die bereits am zurückliegenden Wochenende den Weg in die Drittklassigkeit antreten mussten und dem bevorstehenden Abstieg des männlichen B-Junioren-Jahrgangs aus der Bundesliga West erwischte es nun auch die weiblichen U17-Zebras.

Ein 1:1 (1:0) Unentschieden am 20. Spieltag der B-Juniorinnen-Regionalliga West gegen den Tabellenletzten DJK Wacker Mecklenbeck reichte durch die parallelen Erfolge der Konkurrenz nicht, um die Hoffnungen auf einen Verbleib in der Liga aufrecht zu erhalten.

Die Gründe dieser Misere sind sicherlich vielschichtig, jedoch am allerwenigsten in der Mannschaft von Chefcoach Seeger zu suchen. Eine erste Analyse.

B-Juniorinnen-Regionalliga 20. Spieltag, MSV Duisburg - DJK Wacker Mecklenbeck 1:1 (1:0)
Gemeinsam wollten die B-Juniorinnen des MSV Duisburg am gestrigen Samstag die Wende zum Guten schaffen. Am 20. Spieltag der U17-Regionalliga West sollte gegen die bereits abgestiegene DJK Wacker Mecklenbeck ein Heimsieg her, um dann in den noch ausstehenden drei Pflichtspielen doch noch den Sprung ans rettende Ufer zu schaffen. Soviel vorweg: Das Unternehmen schlug fehl, da gegen den Tabellenletzten am Ende nur ein 1:1 Unentschieden heraussprang und die Konkurrenz aus Herford, Menden und Bielefeld ebenfalls punkteten, doch die Gründe für diese sportliche Pleite sind weitaus vielschichtiger, als sie sich für den Laien auf den ersten Blick darlegen.

In der Partie selbst erwischte die Seeger-Elf am gestrigen Nachmittag eine Traumstart. Kurz nach dem Anpfiff setzte sich Jenny Aranowski auf der rechten Außenbahn entschlossen durch, brachte die Lederkugel ins Zentrum, wo bezeichnenderweise mit Nele Kiesewalter die jüngste Spielerin goldrichtig stand und nach genau 83 Sekunden die 1:0-Führung besorgte. Der Rest ist relativ schnell berichtet. Während die Gäste sich im ersten Spielabschnitt auf Defensivarbeit beschränkten, versäumten es die Duisburgerinnen, noch drei oder vier Treffer nachzulegen, doch einmal mehr stand, wie z.B. bei Melina Agcas Distanzschuss in der neunten Minute das Aluminium oder eben der Gegner im Weg, so dass es mit einer knappen Führung in die Pause ging.

Während die Zebras in Halbzeit zwei immer mehr verkrampften, wurden die Gäste zusehends mutiger und kamen zwei Minuten vor dem Ende zum nicht komplett unverdienten 1:1 Ausgleich. Damit waren die MSV-Mädchen abgestiegen, doch bevor man voreilig zu falschen bzw. vorschnellen Schlüssen kommt, sollte man sich etwas mehr in die Tiefe gehen, um die wirklichen Hintergründe zu verstehen. Erfolg, das sollte jeder wissen, beruht im wesentlichen auf kalkulierbaren Faktoren, zu denen u.a. Kontinuität und Umsetzungskompetenz gehören.

Von Erstgenanntem zeugte innerhalb des Duisburger Mädchenfußballs nicht unbedingt, dass man beim damaligen Vorzeigeverein FCR 2001 Duisburg zu Beginn der Saison 2013/14 die von Kurt Hauer und dem aktuellen U21-Coach Sascha Beck erfolgreich trainierten C-Juniorinnen vom Spielbetrieb abmeldete. Dieser Fehler wurde zu Beginn der aktuellen Spielzeit revidiert und das, obwohl mit dem Abstieg beider B-Juniorinnen-Teams nach der Spielzeit 2017/18 die Voraussetzungen dafür denkbar schlecht waren.

Das bekamen auch die U17-Mädchen zu spüren, bei denen Chefcoach Niklas Seeger erst wenige Wochen - und damit viel zu spät - den Auftrag bekam, sein Team erfolgreich durch die anstehende Regionalligasaison zu führen. Dennoch sammelte er eine Menge charakterstarker Fußballerinnen um sich, bei denen das Duisburger "Urgestein" Ena Mahmutovic zusammen mit Jenny Aranowski und Melisa Esen aus dem U17-Bundesliga-Kader vorangingen und ein größtenteils verunsichertes Team ins Gefecht führte, das mit dem 5:1-Auswärtssieg bei Alemannia Aachen am ersten Regionalliga-Spieltag einen Start nach Maß erwischte.

Der Rest der Saison war eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der den Zebra-Mädchen immer mal wieder die Unwägbarkeiten des Fußballerlebens (z.B. in der Form eines chemischen Elements, das im Periodensystem die Ordnungszahl 13 besitzt und allgemein als "Aluminium" bekannt ist) im Wege standen. Alle Mädchen des Seeger-Teams konnten sich fußballerisch wie auch (das wird im Leistungssport oft vergessen) menschlich weiterentwickeln, haben gelernt als Kollektiv mit Druck- und Konfliktsituationen umzugehen und haben mit ihrer Spielart sehr viele Fans gewonnen.

Der Abstieg ist keine schöne Sache, schon alleine weil die verdiente Belohnung für den leidenschaftlichen Einsatz über eine ganze Saison ausblieb. Er ist Resultat eines jahrelangen, personellen Missmanagements, das immer wieder und Jahr für Jahr von den Mädchen zu kompensieren versucht wurde. Auf der anderen Seite haben die MSV-Verantwortlichen dadurch nun auch die Möglichkeit eines kompletten Neuanfangs, der auf einem solideren Fundament steht, als sich mancher denkt.

Hier bewies die sportliche Leistung Weitsicht, als sie den Vertrag von Chefcoach Niklas Seeger bereits im Februar 2019 um ein weiteres Jahr verlängerte. Auch der "Baustoff" ist in erfreulich hoher Quantität wie auch Qualität vorhanden, denn viele Spielerinnen der nun relevanten Jahrgänge 2003 und 2004 bewiesen in der aktuell schwierigen Situation Charakter, verzichteten auf die üblichen Bäumchen-wechsle-dich-Spielchen und stellten sich für den Neustart zur Verfügung.

Bereits jetzt steht durch viele personelle Zusagen fest, dass der B-Juniorinnen-Jahrgang der Saison 2019/20 in der Niederrheinliga das zu schlagende Team ist und nicht nur den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga anstrebt, sondern mit den Jungjahrgängen 2005 und 2006 ein weitaus höheres Ziel vor Augen hat: die Rückkehr auf die große Fußballbühne, die B-Juniorinnen-Bundesliga und zwar mit Kontinuität, Umsetzungskompetenz und natürlich #lebenliebeleidenschaft.

MSV Duisburg: Mahmutovic, Etemi, Rudorf (63.Plähn), Ishikawa (20. Esen), Paplewski, Behnke (63. Kreutz), Seibel, Günster, Kiesewalter (69. Irevül), Aranowski, Agca

Tore: 1:0 Kiesewalter (2.), 1:1 (78.)

Gelbe Karten: - / -

Der aktuelle Spieltag: Übersicht über die Ergebnisse und die aktuelle Tabelle der B-Juniorinnen-Regionalliga West. (Quelle: fussball.de)

Die nächsten Termine:

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