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Der stille Abschied - Naomi Gottschling sagt dem Fußball leise Servus

Duisburg (mm) - Als am vergangenen Samstag am 17. Spieltag der Fußball-Bundesliga die Mannschaften von Bayer 04 Leverkusen und dem MSV Duisburg aufeinandertrafen, da fehlte auf dem Spielberichtsbogen der Zebras ein Name, der in den letzten neun Jahren eines der Aushängeschilder des Duisburger Nachwuchsfußballs darstellte.

Naomi Gottschling machte Ende Februar Nägel mit Köpfen und bat um Auflösung ihres Profivertrags, um sich u.a. voll und ganz auf ihre Ausbildung konzentrieren zu können.

Ob als Anführerin ihrer damaligen Mini-Zebra-Herde der U13, als sechsfache Torschützin im U15-Spiel, oder als Galionsfigur der Rückkehr der U17-Zebras in die B-Juniorinnen-Bundesliga, diese und viele weitere Ereignisse verlangen nach einem Resümé, das über einen Halbsatz hinaus geht. Der Versuch einer gebührenden Abmoderation.

Der stille Abschied - Naomi Gottschling sagt dem Fußball leise Servus
(Fotos: Thomas Thienel und Martin Meier)

Beim Versuch, dem interessierten Duisburger Mädchenfußballpublikum Geschichten über Naomi Gottschling zu berichten läuft der Verfasser durchaus Gefahr, Eulen nach Athen zu tragen, denn auch wenn die aktuellen Schlagzeilen bei den MSV-Frauen (zu recht) von Duisburger Eigengewächsen wie Meike Kämper, Julia Debitzki, Ena Mahmutovic und nicht zuletzt Antonia Halverkamps geschrieben werden, so war es Naomi Gottschling, die im August 2018 als erste Nachwuchskickerin des MSV Duisburg den Sprung von den eigenen D-Juniorinnen in die Eliteklasse des Deutschen Fußballs schaffte.

Das Talent, das Naomi vom SuS 09 Dinslaken mitbrachte, reichte problemlos aus, um bereits im Alter von zwölf Jahren das in der Jungen-Klasse antretende  C-Juniorinnen-Team von Kurt Hauer und Sascha Beck verstärken zu können. Parallel war sie natürlich auch die Führungsfigur ihrer U13-Mädchen, die 2013 vom Trainerduo Jack Groenen/Wolfgang Stempel ins Kreispokalfinale geführt wurden und am 01.03.2014 am Karnevalswochenende im Niederrheinpokal beim SV Wermelskirchen Zeugen einer besonderen Amtseinführung wurden.

Die Pokalpartie bildete die Bühne für die Trainerinnen-Premiere von Franziska Göbel, die inzwischen als frischgebackene Mama mit den U15-Zebras in ihre mittlerweile siebte Saison als MSV-Chefcoach geht. Während Franzi bei ihrer Trainerpremiere eine gewisse Nervosität nicht verbergen konnte, erinnert sich Wolfgang Stempel noch genau:
"Nach langer Anfahrt nach Wermelskirchen war der eingeteilte Schiri nicht da. Was machten die Mädels? Sie überbrückten die Wartezeit kreativ, verschönerten sich gegenseitig mit Sprühfarbe und traten alle in lila an. Übrigens gab es auch ein Ergebnis: 9:1 für die Zebras und fünf Tore von Naomi."

Wem fünf Tore noch nicht genug waren, der konnte ein Jahr später am 14.06.2015 in der Partie der U17-Niederrheinliga-Qualifikationsgruppe 3 zwischen dem MSV und den Sportfreunden Königshardt Zeuge eines Torfestivals werden, in dem die dreizehnjährige sonst für ihre mannschaftsdienliche Spielweise bekannte Dinslakenerin nicht nur einen lupenreinen Hattrick binnen 180 Sekunden auf´s grüne Parkett legte, sondern insgesamt sechs Treffer zum 13:0-Erfolg beitrug.

Überhaupt war die Zeit, die Naomi unter Kurt Hauer und Sascha Beck verbrachte, derart erlebnisreich, dass mit dem Stoff dieser Epoche schon alleine eine halbe Enzyklopädie zu füllen gewesen wäre. Der aktuelle Vorsitzende der Abteilung für Frauen- und Mädchenfußball beim MSV Duisburg, Sascha Beck erinnert sich an viele emotionale "Naomi-Momente", die über den halben europäischen Kontinent verteilt waren:
"Ich blicke gerne zurück und bin stolz darauf, was Naomi die Jahre über geleistet hat und dass sie die Chance bekommen hat, in der Frauen-Bundesliga zu spielen. Und erst recht stolz drauf weil sie als fast einzige Spielerin aus der U13 nach oben den Sprung geschafft hatte."

Weiterhin ist festzuhalten, dass es eine Spielerin ihrer Qualität verdient gehabt hätte, einmal das Nationaltrikot zu tragen, doch auch hier gab es für das Leben einiges zu lernen, denn Qualität bringt einen gestern, heute und auch morgen auch nur dann weiter, wenn man Fürsprecher an den entscheidenden Stellen hat. Vielleicht schaute sich Naomi Gottschling auch deswegen zwischendurch bei Probetrainings auch mal über die Stadtgrenzen hinaus um, stellte dabei aber immer wieder fest, dass ihr Fußballherz an der Mündelheimer Straße mit der höchsten Amplitude schlägt. Das nennt man dann "Charakter", der mitunter wertvoller ist, als ein schwarzer Greifvogel auf weißem Polyester.

Bevor Naomi aber Zeit hatte, sich über die verpassten, möglichen Chancen auf internationaler Ebene zu ärgern, riefen auch schon die von Rainer Vervölgyi und Torsten Arend in die Regionalliga West geführten und daraufhin vom Trainerduo Angelika Kirsch/Eckart Schuster übernommenen B-Juniorinnen des MSV, wo Naomi zuammen mit Teamkameradin Emma Hilbrands in der Spielzeit 2015/16 die mit Abstand beste Innenverteidigung der Liga bildete und mit einem Schnitt von 0,52 Gegentoren pro Spiel ihren Teil zur Rückkehr der Zebras in die U17-Bundesliga beitrug.

Selbst in Deutschlands Eliteklasse gab es Szenen, bei denen die versammelte  nationaleElite zu Statistinnen degradiert wurde. Duisburgs U17-Bundesliga-Rekordtorschützin Lynn Sommer (12 Treffer, Saison 2016/17) hat dies selbst heute noch glasklar vor Augen.
"Ich erinnere mich besonders an ihre Ausflüge nach vorne, bei denen sie immer die halbe gegnerische Truppe ausgetrickst hat. Da habe ich als damalige Stürmerin nicht schlecht geguckt. Man konnte sie nur durch Fouls vom Ball trennen."

Während sich das Zebra in seiner Tiergattung eher an der frischen Luft am wohlsten fühlt, so hinterließ Naomi auch in der Halle ihre Fußabdrücke. Am 12.01.2018 waren die Zebras mit Chefcoach Friedel Baumann bei der Mutter aller Deutschen Hallenturniere, dem Gütersloher Hallenmasters für B-Juniorinnen mit einem der jüngsten Teams zu Gast und trafen im Eröffnungsspiel auf Red Bull Leipzig.

Ihren ganz speziellen "Naomi-Moment" erlebte in dieser Partie die damals 15 Jahre und 20 Tage alte Ena Mahmutovic, die zwischen den Pfosten Zeuge wurde, wie Naomi Gottschling den favorisierten "Brauseklub" beim 2:0 mit zwei Treffern mit ihrem anfürsich schwachen linken Fuß quasi im Alleingang besiegte.

Als Belohnung der konstant souveränen Leistung winkte ein halbes Jahr später die Berufung in den Erstliga-Kader durch MSV-Chefcoach Thomas Gerstner, unter dem sie u.a.  im DFB-Pokal gegen den 1. FFC Turbine Potsdam ihre Pfilchtspiel-Premiere für die erste Mannschaft der MSV-Frauen feierte und wenig später am 9. Spieltag der Allianz Frauen-Bundesliga gegen die TSG 1899 Hoffenheim  beim "irren" 3:3 Unentschieden über die kompletten 90 Minuten eingesetzt wurde.

Zuletzt plagten Naomi u.a. einige Verletzungen, so dass sie zusammen mit dem Beginn ihrer Ausbildung im Gesundheitszentrumin Dinslaken bei Marcel Piekarczyk zum Sport- und Gesundheitstrainer/Sport- und Fitnessbetriebswirt den mutigen, aber nachvollziehbaren Schritt wagte und nun ein ganz neues Kapitel aufschlug.
Wir wünschen dir für diesen Schritt alles erdenklich Gute und wie man ja auf dem Platz sehen konnte, stehen mit Antonia Halverkamps, Ena Mahmutovic und Juniorinnen-Nationalspielerin Meret Günster schon die nächsten Duisburger Fußballmädchen parat, um in der Deutschen Fußballeliteklasse ebenfalls für Furore zu sorgen.

Mach´s gut, Naomi!

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